Background

Die Prävalenz der Adipositas in Europa hat sich seit den 1980er Jahren in vielen Ländern mehr als verdreifacht, mit einem Anstieg der Rate der assoziierten nichtübertragbaren Krankheiten. Nach Schätzungen des “Global Status Report on Non-Communicable Diseases 2010” sind rund 2,8 Millionen Todesfälle pro Jahr in der EU auf Ursachen zurückzuführen, die mit Übergewicht und Adipositas zusammenhängen.

Trotz verschiedener nationaler und EU-Initiativen nimmt die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter zu und erreichte 2010 in Europa 1 von 3 Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren, mit einer großen Variabilität zwischen den Ländern[i].

Bewegungsmangel und falsche Ernährung von Geburt an (und sogar im Mutterleib) sind wichtige Determinanten der Adipositas, die zu Übergewicht und Adipositas führt. Sie sind auch unabhängig voneinander mit verschiedenen Risikofaktoren für nicht übertragbare Krankheiten verbunden, von denen viele Europäer betroffen sind (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebsarten und Erkrankungen des Bewegungsapparats)[ii]. Darüber hinaus können Übergewicht und Adipositas auch nachteilige psychologische und soziale Folgen haben[iii].

Übergewicht und Adipositas stellen auch eine wirtschaftliche Belastung für die nationalen Gesundheitssysteme dar, da bis zu 7%[iv] der EU-Gesundheitsbudgets jedes Jahr für Krankheiten ausgegeben werden, die in direktem Zusammenhang mit Adipositas stehen. Zusätzliche indirekte Kosten, die sich aus Produktivitätsverlusten in Verbindung mit Gesundheitsproblemen und vorzeitigem Tod ergeben.

Der EU-Aktionsplan zur Bekämpfung der Adipositas bei Kindern 2014-2020[v] soll das gemeinsame Engagement der EU-Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung der Adipositas bei Kindern demonstrieren, vorrangige Aktionsbereiche festlegen und Wege vorschlagen, wie die Fortschritte gemeinsam verfolgt werden können. Im globalen Rahmen des EU-Aktionsplans zur Adipositas bei Kindern 2014-2020 und in enger Verbindung mit dem Europäischen Aktionsplan für eine Ernährungs- und Lebensmittelpolitik 2015-2020 will JANPA dazu beitragen, den Anstieg von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in der EU bis 2020 zu stoppen.

Wenn es nicht gelingt, die Zunahme von Übergewicht und Adipositas bei Kindern zu stoppen oder den Trend sogar umzukehren, drohen in naher Zukunft stark negative Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität und eine Überlastung der nationalen Gesundheitssysteme.

Der multisektorale Ansatz

Bewegungsmangel und falsche Ernährung sind die einflussreichsten Faktoren für die Zunahme von Übergewicht und Adipositas in Europa. Adipositas ist ein komplexes Problem, und ihre Prävention erfordert einen sektorübergreifenden Ansatz. Die entscheidenden Elemente eines jeden Programms zur Verringerung der Adipositas sind die Befähigung der Menschen und die Schaffung eines unterstützenden Umfelds, insbesondere in Kindergärten und Schulen, um gesundes Verhalten und gesunde Optionen zu erleichtern.

Die gemeinsame Aktion JANPA berücksichtigt im Rahmen eines multisektoralen Ansatzes sowohl Lebensmittel und Ernährung als auch die Aspekte der körperlichen Aktivität. Darüber hinaus bietet JANPA eine einzigartige Gelegenheit, ausgewählte Aktionen gemeinsam zu analysieren und Empfehlungen für bewährte Praktiken zur Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern zu diskutieren. Dadurch werden auch die Verbindungen zwischen den verschiedenen nationalen Ernährungspolitiken verstärkt, die durch die EU-Strategie für Ernährung, Übergewicht und Adipositas in Bezug auf Gesundheitsfragen eingeführt wurden.

Ungleichheiten und ungesunde Verhaltensweisen

Die Verringerung solcher sozialer Ungleichheiten ist ein Hauptanliegen der EU-Aktionspläne, und es wird als Querschnittsthema aller technischen Arbeitspakete der JANPA betrachtet werden.

Übergewicht und Adipositas hängen mit dem sozioökonomischen Status zusammen: In den meisten Ländern ist die Rate der übergewichtigen Adipositas in niedrigen sozioökonomischen Gruppen schneller gestiegen. Viele Studien haben den Zusammenhang zwischen Adipositas, ungesunden Ess- und Trinkgewohnheiten, sitzender Lebensweise und niedrigem Bildungsniveau oder niedrigem sozioökonomischen Status aufgezeigt.

Der Lebenslaufansatz

Angesichts der Tatsache, dass Ess- und Bewegungsgewohnheiten in einem frühen Alter festgelegt werden, ist ein lebenslauforientierter Ansatz absolut notwendig. Frühzeitige Interventionen können Kindern und ihren Familien helfen, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln und zu erhalten. Die Förderung eines gesunden Lebensstils für Familien während der Schwangerschaft, der Stillzeit und der frühen Kindheit ist für das zukünftige Wohlergehen unerlässlich. Die Übernahme gesunder Gewohnheiten in jungen Jahren und eine Politik, die die Reduzierung des adipositasfördernden Umfelds unterstützt, sind notwendig, um Adipositas zu reduzieren.

Literaturhinweise

[i] Weltgesundheitsorganisation. Europäische Initiative zur Überwachung der Adipositas bei Kindern, COSI, Runde 2010.

[ii] Weltgesundheitsorganisation. Globales Gesundheitsobservatorium. Prävalenz von unzureichender körperlicher Aktivität. http://www.who.int/… .

[iii] Weltgesundheitsorganisation. Globale Strategie für Ernährung, körperliche Bewegung und Gesundheit. Warum spielen Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern eine Rolle? http://www.who.int/….

[iv] Weltgesundheitsorganisation. Weltweiter Zustandsbericht über nicht übertragbare Krankheiten 2010. http://www.who.int/….

[v] http://ec.europa.eu/….